Erste Europäische Kinderklinik - Regenbogenklinik ®
Ein Tag in der Regenbogenklinik
So könnte ein Tag in der
Regenbogenklinik verlaufen:
Das Unwetter ist vorbei. Langsam ziehen die dunklen Wolken weiter.
Nur noch einzelne Regentropfen fallen wie dicke
Tränen von den Blättern der Bäume und zerplatzen auf den Steinen.
Ein kleiner Sonnenstrahl blitzt plötzlich zwischen den letzten Wolken hervor, dann noch einer und
noch einer, so dass die Tränen–Regentropfen wie Edelsteine aufleuchten.
Staunende Kinder zeigen auf einen Regenbogen, der sich, von der Sonne angestrahlt, in seinen
schönsten Farben am Himmel zeigt, sie staunen und lachen, denn sie wissen:
Jetzt wird die Sonne wieder scheinen
Auch Martin bewundert den leuchtenden Regenbogen, der sich quer über Berge und Wälder, von
einem Ende des Himmels zum anderen, spannt. Die Mutter drückt seine Hand und lächelt ihm
ermutigend zu. Martin schaut noch einmal nach dem Regenbogen, holt tief Luft und mach einen
großen Schritt, "Gehen wir" sagt er entschlossen.
Martin ist zehn Jahre alt und schwerkrank. Er musste schon mehrere schmerzhafte
Untersuchungen und Behandlungen über sich ergehen; hat deswegen schon viele Tränen geweint,
vor Schmerz und vor Angst. Er ist noch etwas blass und schwach und hat auf dem Kopf keine
Haare mehr, aber er und seine Eltern wissen:
JETZT WIRD ALLES GUT.
Die Familie steht vor dem Eingang der „Regenbogenklinik“, in der sie sich gemeinsam erholen
möchte, nach einer schweren Zeit von Sorgen und Ängste um Martin. Für Martin stehen jetzt
verschiedene Therapieprogramme, Schule, viel, viel Spaß und Spielen auf der Tagesordnung,
gemeinsam mit den Eltern und seiner Schwester Katrin.
Martin ist sehr aufgeregt: Was wird diese neue Klinik ihm bringen? Wird er Freunde finden?
Wird es ihm überhaupt hier gefallen?
Der Gedanke, dass die Mutter die gesamte Zeit bei ihm in der Klinik bleiben wird, gibt ihm
ein Gefühl der Sicherheit, ebenso, dass der Vater mit Katrin jedes Wochenende zu Besuch
kommen kann.
Er braucht also abends nicht vor Heimweh in das Kopfkissen zu weinen und er ist froh,
dass er jetzt schon weiß: Sein Kissen bleibt trocken.
Er braucht auch keine Sehnsucht nach Bello, seinem kleinen Mischlingshündchen, zu haben,
denn Bello wird im Streichelzoo der Regenbogenklinik untergebracht, wie viele Haustiere
der kleinen Patienten. Martin kann also Bello jeden Tag sehen, ihn streicheln und ihm wie
immer seine Geheimnisse in die wuscheligen Schlappohren flüstern.
Martin steht zwischen den Eltern und betrachtet die Klinik. Er überlegt, ob sie ihm gefällt
und kommt zu dem Schluss, dass es ein schönes Gebäude ist, sehr hell und größer als die
anderen Krankenhäuser, in denen er schon gewesen ist.
Ihm gefallen die vielen Fenster, die er gar nicht mehr zählen kann und von denen jedes
einen Balkon hat. Eigentlich, so findet er, sieht die Klinik aus, als ob sie nur aus Glas bestehen würde und
jetzt, da sich der leuchtende Regenbogen in den vielen hundert Scheiben spiegelt, sieht das große Haus
märchenhaft aus, eher wie ein „Berg aus Glas“.
Martin steht zwischen den Eltern und betrachtet die Klinik. Er überlegt, ob sie ihm gefällt und kommt zu dem Schluss,
dass es ein schönes Gebäude ist, sehr hell und größer als die anderen Krankenhäuser, in denen
er schon gewesen ist. Ihm gefallen die vielen Fenster, die er gar nicht mehr zählen kann und
von denen jedes einen Balkon hat. Eigentlich, so findet er , sieht die Klinik aus, als ob
sie nur aus Glas bestehen würde und jetzt, da sich der leuchtende Regenbogen in den vielen
hundert Scheiben spiegelt, sieht das große Haus märchenhaft aus, fast wie ein „Berg aus Glas“.
Die Klinik steht inmitten von hügeligen Wiesen und Wäldern und in einiger Entfernung
entdeckt Martin eine Koppel mit Pferden. Er selber hat ein bisschen Angst vor so großen
Tieren, aber Katrin blickt in dieselbe Richtung und er sieht, wie sie vor Freunde glänzende
Augen bekommt. Weiter hinten, vor einem kleinen Wäldchen, kann Martin ein großes Schild mit
der Aufschrift - Eingang zum Märchenwald - Erwachsene bitte aufpassen -
lebendige Märchenfiguren - erkennen.
Martin muss lachen, als er sich vorstellt, wie Vater von einer kreischenden Hexe, die eine
riesige Nase hat und der ein schwarzer Kater auf der Schulter sitzt, verfolgt wird.
Dann sieht er die großen bunten Walt – Disney – Figuren, die in lustigen Posen die Patienten
schon am Eingang der Klinik begrüßen. Er sagt „Hallo“ zu Donald Duck und Daisy, er kennt
sie ja alle mit Namen, dann folgt er mutig seinem Vater, der bereits durch die große
Pendeltür eingetreten ist.
Im ersten Moment denkt er „Ich bin hier falsch gelandet, ich sollte
doch in die Klinik“, bleibt stehen und sieht sich staunend um, sein Mund steht dabei sogar
etwas offen. Aber das macht hier wohl nichts, und es hat auch niemand – außer Katrin natürlich – gesehen. Martin
steht in einem großen und wunderschönen Raum, ähnlich der Rezeption von Hotels die
man manchmal in Filmen sieht. Die Sonne scheint ungehindert durch die großen Fenster herein
und erfüllt den Raum mit warmen goldenen Licht.
Hier ist kein weißer Warteraum mit langen Stuhlreihen, auf denen die Kinder artig sitzen
müssen. Nein, hier sind kleine Sitzgruppen, Sessel und Tische, um einen Springbrunnen
angeordnet, der zwischen Blumen, Steinen und Blattpflanzen dahinplätschert. Der Boden ist
mit Mosaiksteinen ausgelegt. Martin hat den Eindruck, über eine richtige Wiese mit bunten
Blüten zu gehen und so riecht es hier auch. Er schnuppert. Es riecht überhaupt nicht wie in
einem Krankenhaus, es duftet würzig und süß zugleich, auf alle Fälle sehr angenehm. Martin fühlt sich wohl und atmet tief durch. Eine sanfte Musik erklingt – er hat diese Melodie
schon einmal gehört – vielleicht im Musikunterricht in seiner Schule?
Da hinten wird gelacht, so schlimm kann es also gar nicht sein, denkt er beruhigt und
schaut sich suchend um, wo sind denn eigentlich die Ärzte und Krankenschwestern.
Die scheinen wohl gerade Pause zu haben. Martin bummelt durch die Halle, die Eltern
unterhalten sich inzwischen mit einer freundlich aussehenden Frau. Jetzt blicken sie herüber
und winken in lächelnd heran.
"So, du bist also der Martin. Herzlich willkommen in unserer
Regenbogenklinik. Ich heiße Susanne und bin die Oberschwester auf deiner Station. Ich werde
dir erst einmal Dein Zimmer zeigen, dann kannst Du in Ruhe alles anschauen. Du wirst staunen".
Martin gibt Susanne nach etwas schüchtern die Hand. Aber Angst hat er überhaupt keine mehr,
er ist schon sehr neugierig auf das, was er zu sehen bekommt. Susanne winkt der Familie,
ihr zu folgen und geht zu einem Panoramafahrstuhl. Als der Fahrstuhl in die Höhe gleitet,
krabbelt es in Martins Bauch, aber das geht schnell vorbei.
"So, angekommen". Susanne öffnet mit Schwung die Fahrstuhltür und legt ihren Arm um
Martins Schultern. "Ich glaube, dass es Dir hier sehr gut gefallen wird, denn alle Kinder
auf dieser Station sind ungefähr so alt wie Du, Ihr werdet euch gut verstehen".
Die Station macht auf Martin einen „sonnigen“ Eindruck, da die Wände und Decken ein schönes,
kräftiges Gelb haben, als ob die Sonne scheint. Besonders gefällt ihm, dass sie mit ganzen
Bildergeschichten bemalt sind.
Lautes Kinderlachen ist zu hören und plötzlich fährt ein kleines, ferngesteuertes Auto um
die Ecke. Martin wäre fast darüber gestolpert. Ein Junge kommt hinterher gerannt.
Ganz außer Atem ruft er: "Susanne, Susanne, Du musst Dir unbedingt mein neues Bild
ansehen".
Ja, Thomas, Du kleiner Maler, aber zuerst einmal zeigen wir dem Martin sein Zimmer. So,
Martin, hier sind wir also auf Deiner Etage. Wie du siehst, gibt es in unserer Klinik keine
endlosen Krankenhausflure, sondern wir haben kleine Einheiten von Schlaf- und Spielräumen.
Du hast sicher auch schon bemerkt, dass es hier auch keine weißen Kittel gibt, die Ärzte
und Schwestern immer so streng und dienstlich aussehen lassen. Wir geben uns alle Mühe,
dass unsere kleinen Patienten sich bei uns ganz wie zu Hause fühlen. Es gibt hier auch
richtige Clowns, die gehen von Zimmer zu Zimmer, schauen auf ihre Art und Weise nach dem
Rechten und führen Kunststückchen vor".
Während die kleine Gruppe, von Susanne angeführt, durch die verschiedenen Kinderzimmer geht,
bleibt Martin immer wieder stehen und schaut neugierig hinein. Er ist sehr beruhigt, denn
die Zimmer sehen aus wie richtige Kinderzimmer, mit Hochbetten, von denen man mit einer
Rutsche herunterkommt, vielen Postern an den Wänden und es liegt auch hier und da mal
Spielzeug auf dem Boden herum – ganz wie zu Hause. In zweien der Zimmer stehen sogar Computer.
Martin hört zwar lautes Kinderlachen, aber so viele Kinder sind doch gar nicht in den Zimmern
"Wo sind denn die ganzen Kinder"? Fragt er Susanne. "Die sind fast alle unten in unserem
Abenteuerpark. Weil die Fenster geöffnet sind, kann man sie bis hierher hören".
Susanne bleibt in einem Zimmer stehen und breitet einladend die Arme aus: "Das ist jetzt,
für ein paar Wochen, Dein zu Hause. Ich denke, Du wirst dich hier sehr wohl fühlen".
Martin und Katrin gehen sofort auf den Balkon und schauen neugierig hinaus, um zu sehen, wo
das Lachen herkommt.
Martin bleibt schon wieder vor Staunen der Mund offen, diesmal übrigens auch Katrin. Sie
schauen direkt in ein Disney-Land. Martin reißt die Augen weit auf. So etwas Tolles hat er
überhaupt noch nie gesehen. Da unten spielen Kinder in einem großen, bunten Park, der weit
oben ein riesiges Glasdach hat, durch das man gerade noch die Wolken sehen kann.
Da unten sind Felsen, zwischen denen sich ein kleiner Bach schlängelt, ein kleiner Badesee,
mit Strand, ein Piratenschiff, ein Tennisplatz, Dinosaurierfiguren zum Klettern,
Indianerhütern, eine kleine Eisenbahn fährt herum und zwischen alldem tummeln sich
lachende, spielende Kinder.
Während Martin und seine Schwester ihre Augen nicht von dem bunten Treiben im Park lassen
können, geht Oberschwester Susanne mit den Eltern zu einer gemütlichen Sitzgruppe. Sie
erläutert mit Begeisterung von den vielen Freizeitmöglichkeiten in der Klinik wie: Der
Sauna, dem Solarium, der Bibliothek, dem Kaminzimmer, in dem Gespenstergeschichten erzählt
werden und dem großen, überdachten und temperierten Abenteuerpark, der die Kinderherzen
höher schlagen lässt.In der Klinik ist außerdem ein Kindergarten für die Kinder aus der
Umgebung untergebracht. Diese Kinder lernen durch das gemeinsame Spiel den Umgang mit
kranken Kindern kennen und verlieren gleichzeitig ihre Angst vor einem Krankenhaus.
Die Ausgelassenheit der Kindergartenkinder
steckt die kleinen Patienten an und hilft ihnen,
ihre Krankheit einfach zu vergessen.Die Familienmitglieder sowie die Besucher und das Personal können mit den
kleinen Patienten zusammen die vielen Freizeitmöglichkeiten im Haus nutzen oder im Abenteuerpark Pirat
spielen.
Das Spiel steht in der Klinik unter Tagesordnungspunk: Eins.
"So, Martin, nun hast Du genug von oben geschaut. Du und Deine Schwester Katrin, Ihr solltet
mit mir ein paar Minuten durch unsere Klinik gehen, damit Ihr auch wirklich alles seht".
"Aber da runter, in den Park wollen wir zuerst," rufen beide wie aus der Pistole geschossen.
„Glaubt mir, es ist viel besser, wenn wir die Besichtigung des Parks zuletzt vornehmen,
falls wir heute noch von der Klinik etwas sehen wollen. Der Park ist für den Anfang viel
zu interessant“, lacht Susanne, denn sie kann die beiden nur zu gut verstehen.
"Also, am besten, wir fangen bei Deinem Zimmer an. Du hast noch drei Mitstreiter: Peter,
Thomas und Christian, die spielen jetzt natürlich im Park. Es könnten sogar diejenigen sein,
die amlautesten krakeelen, wie ich die drei kenne.
Hier ist der Schlafraum mit Euren Betten. Wir haben hier viele Hochbetten, und weil es
sonst Streitigkeiten geben würde, wer oben schlafen darf, wird ab und zu der Schlafplatz
gewechselt. Das gegenüberliegende Zimmer ist zum Spielen, Basteln und so weiter da. Es kann
dort jeder seinen eigenen Interessen nachgehen, Radiohören zum Beispiel – aber nicht zu laut
, oder man kann sich einmal ganz zurückziehen, um vielleicht einen Brief zu schreiben."
Martin schaut sich zufrieden um. Wenn er wieder zu Hause ist, wird er den Vater bitten,
sein Zimmer auch in solchen Farben zu streichen. Das Schlafzimmer ist in verschiedenen
Blautönen gehalten – an der Decke kann er Sternbilder erkennen und ein bunter Regenbogen
ziert die Wand, an der die Betten stehen.
Die Wände des Spielzimmers sind gelb und rot. Hier sind eine Sonne, Bäume, Blumen und
fliegende Vögel an der Decke gemalt. Eine Wand ist mit krakeligen Kinderzeichnungen
versehen – diese können nur von Peter, Thomas und Christian sein.
Susanne nimmt Martin an die Hand und geht mit ihm zu dem Balkon, der nach Außen gerichtet
ist. „Wenn Du hier einmal aus dem Fenster blickst, kannst Du etwas ganz Anderes sehen“.
Alle kommen schnell auf den Balkon um hinauszusehen. So lustig und turbulent es auf der
einen Seite – im Park – ist, so eine Ruhe und Besonnenheit geht von der schönen Landschaft
aus, die man auf dieser Seite erblickt. Berge, Täler, in einiger Entfernung kleine Dörfer
und viel, viel Wald stellen für Auge und Ohr einen angenehmen Kontrast zum „wimmelnden
Innenleben“ der Klinik dar. Martin schaut nach dem Märchenwald und der Pferdekoppel und
nimmt sich vor, diese so schnell wie möglich zu erkunden.
„So, dann gehen wir mal und schauen uns das Haus an". Susanne klatscht dazu in die Hände,
was Martin sehr an seine Sportlehrerein erinnert.Martin, Katrin und die Eltern bekommen natürlich zuerst einmal nur einen kleinen Einblick
in den Klinikalltag zu sehen, ansonsten müssten sie stundenlang durch das große Haus laufen,
denn die Klinik hat fünf Geschosse.
Susanne zeigt ihnen die Bibliothek, das Kaminzimmer,
die Fitnessabteilung mit der Sauna, dem Solarium und dem Sportraum, die verschiedenen
Fernsehräume, die großen Spielzimmer für die einzelnen Altersgruppen und natürlich auch die
unterschiedlichen Behandlungs- und Therapieräume, von denen jeder lustig ausgestaltet ist.
Nur gut, dass es mehrere Fahrstühle gibt und man die vielen Stufen nicht mit den eigenen
Beinen steigen muss. Susanne erklärt auch, dass die Eltern und Besucher, mit den kleinen
Patienten gemeinsam die vielen Freizeitmöglichkeiten nutzen können, oder aber auch an einem
der angebotenen Kurse für „Diätetisches Kochen“, „Künstlerisches Gestalten mit Ton“ oder
vielleicht für „Seidenmalerei“ teilnehmen können.
Alle sind sich einig: „Langeweile wird es hier es hier auf keinen Fall geben“.
Martin sieht sich alles mit großem Interesse an , schließlich ist er ab dem heutigen Tag auch ein Patient
der „Regenbogenklinik“ und er muss feststellen, dass er dem morgigen Tag schon jetzt mit
Neugierde entgegensieht. Aber im Moment ist es schon gespannt auf den „Abenteuerpark“, den Susanne als letzten
Anlaufpunk, sozusagen als Attraktion für den heutigen Tag zeigen möchte,
da dieser wohl die meiste Zeit in Anspruch nehmen wird.
Wasserrauschen, lautes Kinderlachen und Vogelgezwitscher, das ist
das erste, was Martin nach dem Öffnen der großen Glastür wahrnimmt. Susanne bleibt stehen und
lässt die lebendige Atmosphäre dieses außergewöhnlichen Parks auf die Familie wirken, ehe sie
stolz erzählt: „Der Abenteuerpark ist der wichtigste Teil unserer "Regenbogenklinik", er ist sozusagen das
„pulsierende Herz“ des Hauses. Hier spielen sich die Kinder gesund, weil sie ganz einfach
vergessen, dass sie krank sind. Das Spielen im Park ist nämlich unsere wichtigste Therapie
, die „Zaubertherapie“: Niemand spürt sie, aber Alle wollen sie, und sie hat die größte
Wirkung. Der Park ist überdacht und temperaturmässig immer den Jahreszeiten angepasst.
Das bedeutet: Im Sommer wird gekühlt und im Winter wird Wärme zugeführt, so dass immer ein
angenehmes Klima vorhanden ist".
Martin ist schon ganz zappelig und aufgeregt, am liebsten würde er sofort losrennen, um sich
in das lustige Treiben zu stürzen. Susanne faltet jedoch erst noch eine Zeichnung vom Park
auseinander – zur besseren Orientierung und Übersicht – wie sie sagt. „Also wir stehen hier, am Haupteingang. Der riesige Mast, den wir geradeaus sehen, ist der
Mittelpunkt des Parks, der Hauptmast der tragenden Konstruktion. An ihm sind zwei Hochebenen
befestigt, zu denen man mit dem Fahrstuhl, der am Mast empor läuft, gelangt. Auf der unteren
Ebene stehen verschiedene Hütten und Baumhäuser, wie zum Beispiel
Indianertipis, Eskimoiglus
und Negerhütten. Dort werden unsere „Hüttenfeste“ gefeiert, mal auf Indianer- und mal auf
Negerart, aber natürlich immer im Kostüm. Von der oberen Ebene kann man vom Piratenausguck,
dem „Krähennest“, den ganzen Park mit dem Fernrohr beobachten. Seitlich neben dem Mast
befindet sich die Felsenlandschaft mit Bergen und Tälern, einem Grand Canon in
Miniaturformat mit einer richtigen Hängebrücke und einem kleinen Fluss. Man kann sich dort
als Cowboy oder Goldwäscher betätigen.
Gegenüber liegt die große Freispielzone. Dort ist der Platz für Ballspiele,
die Minigolfanlage und da ist der Sandstrand – zum Sandburgbauen oder zum Rumliegen und Dösen.
Etwas weiter hinten ist das Theater, in dem sich jeder in seiner Phantasie in die Figur
verwandeln kann, die er gerade sein möchte: In Supermann oder Miss Piggy. Kostüme sind
jede Menge da. Es findet auch jede Woche eine kleine Theateraufführung statt, die von allen
immer mit Begeisterung vorbereitet wird.
Auf der anderen Seite liegt der Badesee. Da tummeln sich die meisten Kinder, schon allein
wegen der großen Wasserrutsche. Der Strand ist von Palmen und Felsen umgeben, zwischen denen
ein Piratenschiff vor Anker liegt.
Weiter hinten befindet sich der Streichelzoo, in dem die kleinen Haustiere unserer Patienten
untergebracht werden können.
Der Streichelzoo wird sehr viel besucht. Jedes Kind hat ein Lieblingstier, welches es ganz
besonders ins Herz geschlossen hat, und für welches es dann auch sorgt.
Neben dem Zoo ist der Gemüse- und Blumengarten
angelegt. Die Kinder können säen und ernten
und werden mit der Arbeit im Garten vertraut gemacht – selbst geerntete Erdbeeren schmecken
eben doch am besten.
Seht, da fährt unsere kleine Bimmelbahn, jeder kann Schaffner, Lokführer oder Passagier
sein, ganz wie es ihm gefällt.
Die Bahn fährt ihr Gäste durch unsere kleine Welt, vorbei am
See, der Felsenlandschaft, der Spielzone, dem Streichelzoo um am Garten.
So, Martin, ich denke, das war von meiner Seite aus genug erzählt für heute – lange Rede
kurzer Sinn – Du kannst jetzt Dein erstes Ziel im Park wählen“. „ Ich möchte zu allererst
in den Canon“.
Martin hat sich schnell entschieden, denn in einem Canon mit einem Fluss war er noch nie;
das ist sein größter Traum, seit die Eltern ihm vor ein paar Wochen von der geplanten
Familienreise nach Amerika erzählt haben. Diese Reise soll im Anschluss an den
Klinikaufenthalt stattfinden und ist als Belohnung für die ganze Familie, die eine
schlimme Zeit während Martins schwerer Krankheit durchlebt hat, gedacht.
Martin rennt, so schnell er kann, die geheimnisvoll verschlungenen und von den großen
Pflanzen fast ganz verdeckten Pfade entlang. Den Weg zum Canon hat er sich genau eingeprägt.
Vorbei an den Bananenbäumen, wo der kleine Brunnen mit dem Krokodil aus Stein sprudelt,
dann noch ein Stück, die Klettergerüste müssen rechts liegen bleiben; jetzt sieht er auch
schon die Felsenlandschaft. Ein Lift fährt die Kinder zu den Gipfeln hinauf und hinab. Oben
angekommen haben sie einen wunderbaren Blick in den gesamten Park und den Canon.
Martin und Katrin steigen die in den Fels gehauenen Stufen herab. Die Kinder, die hier
spielen, haben riesige Schlapphüte auf dem Kopf, Gummistiefel an und ein kariertes Tuch
um den Hals – ganz wie richtige Goldwäscher. Es gibt Schaufeln, kleine Schubkarren und
das Wasser fließt plätschernd über Steine. Die zwei Neuankömmlinge finden schnell Kontakt
und werden sofort in das Spiel eingebunden. Martin heißt jetzt „Big Jim“ und Katrin
wird „Mary“ genannt.
Während die beiden Geschwister, vom Goldrausch gepackt, ihrem Claim abstecken, sitzen die
Eltern oben auf den Felsen und sehen ihren Sprösslingen glücklich zu. So ausgelassen waren
beide schon lange nicht.
Martin merkt gar
nicht, wie die Zeit vergangen ist. Als er irgendwann eine Stimme hört, welche
die Kinder zum Essen in das Restaurant ruft, schaut er kurz nach oben, zur
Glaskuppel des Parks, und bemerkt erstaunt, dass es draußen schon anfängt dämmrig
zu werden. Er stellt auch fest, dass er sehr hungrig und auch etwas müde ist.
Susanne steht schon da und erwartet ihren neuen Schützling. Sie lacht: „Genug
gespielt für heute? Du hast sicher großen Hunger nach der anstrengenden
Arbeit. Ich muss noch meine restlichen Schäfchen einsammeln, dann geht’s
gemeinsam zum Händewaschen und Abendessen".
Susanne hat ihre Gruppe bald zusammen. So lernt Martin auch seine
„Zimmerkollegen“ kennen. Die drei fragen Martin sofort aus, wie es ihm denn
hier gefalle. Dann fallen sie sich vor Eifer gegenseitig ins Wort, um ihm ihre
Erlebnisse in der Kinderklinik zu schildern.
Die Mahlzeiten werden von Patienten, Besuchern und Personal gemeinsam im
Restaurant eingenommen, denn dieses ist sehr großzügig eingerichtet, bietet für
alle Platz und wird zwischen den Mahlzeiten als Cafeteria genutzt.
Die angebotenen Speisen sind vielseitig und das große Buffet bietet für jeden
Geschmack das Richtige. Die Speisen sind lecker und dekorativ angerichtet –
ein richtiger „Augenschmaus“. Hier zittern die Wackelpeter neben den großen
Tabletts mit den verschiedensten Früchten und der „Wurstmax“ blickt in
Richtung Ketchup. Die Auswahl fällt manchem der kleinen Patienten schwer. Jeder
kann sich nehmen, auf was er Appetit hat: Obst und Gemüse, Süßspeisen oder Würstchen.
Das zwanglose Miteinander – Essen und das Auswählen – Können wie die Großen
in den Restaurants bringt den gewünschten Appetit. Nach dem gemeinsamen Essen
begeben sich alle Kinder auf ihre Zimmer, um sich auf die Nachtruhe
vorzubereiten, denn nach so einem erlebnisreichen Tag ist ausreichender Schlaf
sehr wichtig.
Martins Vater und Katrin verabschieden sich bis zum Wochenende und die Mutter möchte
jetzt ihr Zimmer besichtigen.
Als Martin in
seinem frisch duftenden Bett liegt, reckt er sich wohlig und freut sich schon
auf den nächsten Tag im Park.
Die vier Freunde wollen morgen mit dem Piratenschiff auf große Fahrt gehen. Er
ist aber jetzt noch zu aufgeregt, um sofort einschlafen zu können, so plaudert
er noch mit Peter, Thomas und Christian, denn jeder von den dreien weiß
interessante Dinge zu berichten und Martin erfährt, was für 10-jährige
besonders schön und etwas weniger schön in der Klinik ist.
Peter geht am liebsten in den
Streichelzoo, denn dort ist sein Zwergkaninchen „Schlappi“untergebracht. Er
besucht es jeden Tag und bringt ihm eine Möhre zum Knabbern, damit Schlappi
nicht zu lange Zähne bekommt. Peter kennt sich nämlich mit Tieren sehr gut
aus, er möchte einmal Tierarzt werden. Aber Peter geht nicht besonders gerne
zur Schule, wie er erzählt. Mathe und Schreiben machen ihm eben keinen so großen
Spaß wie Tiere füttern.
Der Unterricht hier in der Klinik, der gefällt ihm schon besser; die Pausen
sind bedeutend länger und man muss nicht immer so still sitzen. Thomas ist ganz
begeistert von den Baumhäusern und von seiner Freundin Nadine. Nadine ist
seine Squaw und bereitet ihm phantasievolle Speisen zu, wenn er schwer beladen
von der Jagd in das Tipi kommt. Er mag es nicht so, sich abends gründlich zu
duschen. Indianer waschen sich angeblich mit Sand erzählt er Susanne dann, die
aber kennt seine Ausreden schon bestens und überredet ihn jedes Mal mit den
tollsten Sachen.
Christian hat Martin von seinem großen Freund, auf den er ganz besonders stolz
ist , erzählt. René heißt er und ist schon 16 Jahre alt. René wohnt eine
Etage oberhalb – bei den „Großen“. Die „Großen“ haben zur Zeit alle
Hände voll zu tun, denn sie bereiten eine Party vor, die am Wochenende
stattfinden soll Im Moment sind sie noch mit der Auswahl der Musik zum Tanzen
beschäftigt.
Martin gähnt gerade herzhaft, als auf seinem Monitor die Mutter erscheint. Sie
lacht: „Ich sehe, dass ich Dir nicht extra Schlafsand in die Augen streuen
muss. Also schlaf schön und träume etwas besonders Schönes, ich hole dich
morgen zum Frühstück ab".
Bevor Martin einschläft, muss er einfach noch einmal vom Balkon in den Park
schauen. Er möchte den Park im Dunkeln sehen. Ohne Kinder, denn vielleicht sind
die Märchenfiguren lebendig geworden und spielen jetzt da unten. Der Park ist
von einem sanften, silbrigen Licht ein wenig erhellt. Es ist jetzt ganz still
und nur das Wasser plätschert leise vor sich hin. Die Figuren stehen
bewegungslos da und doch kommt es Martin so vor, als ob sie ihm zuzwinkern.
Er schaut zur Glaskuppel hinauf – da glitzern Sterne und ein großer Mond gibt
dem abendlichen Park dieses silbrige Leuchten. Als Martin dann wieder in seinem
Bett liegt ist er müde und sehr zufrieden mit seinem ersten Tag in der
Regenbogenklinik, die Augen fallen ihm zu und er denk beruhigt:
"JETZT WIRD ALLES
GUT"
|